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auslandsjournal - die doku: Zerrissener Jemen
Info, Politik • 29.02.2024 • 00:15 - 00:45
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Originaltitel
Zerrissener Jemen - Im Griff der Huthi-Milizen
Produktionsland
JEM, ETH
Produktionsdatum
2024
Info, Politik
Die Raketenangriffe der Huthis gegen Handelsschiffe drohen den Konflikt in Nahost weiter zu eskalieren. Wer sind die jemenitischen Milizen, die einen Krieg gegen das eigene Volk führen? Im Jemen, einem der ärmsten Länder der Region, herrscht seit neun Jahren Bürgerkrieg. Von Iran ausgerüstete Huthi-Milizen bekämpfen von Saudi-Arabien unterstützte Regierungstruppen. ZDF-Korrespondentin Golineh Atai zeigt seltene Einblicke aus einem zerrissenen Land. Die Huthi-Milizen haben ein totalitäres System etabliert, in dem Kritiker mundtot gemacht und Frauen eingesperrt werden. Frauen wie Yusra Al-Nashiri, die heute 21 Jahre alt ist und im Februar 2021 nach einem Modelshooting in Sanaa von Huthis festgenommen wurde. In Untersuchungshaft schlugen ihr die Milizen vor, mit Drogen und Sex Huthi-Gegner anzulocken, um diese zu kompromittieren. Yusra lehnte diesen Deal ab, musste Zwangsgeständnisse ablegen und wurde unter dem Vorwand "unmoralischer sexueller Handlungen" zu fünf Jahren Haft verurteilt. Yusra konnte während eines Hafturlaubs aus dem Jemen fliehen. Gomaa lebt heute in einem Vertriebenencamp. Sie musste vor den Huthis fliehen, weil sie im Huthi-Gebiet humanitäre Hilfe organisierte und verteilte - und die Huthis sie unter Druck setzten, etwas davon abzugeben. "Ich kann nicht zurück, weil sie meinen 14-jährigen Sohn in den Militärdienst zwingen könnten - so viele Kinder haben die Huthis in den Krieg geschickt", sagt sie. Der Journalist Mohammad Al-Salahi wurde fünf Jahre in Huthi-Gefängnissen gefoltert, er ist vor einigen Monaten freigekommen und in psychologischer Behandlung. "Mit den Huthis wird es nie Frieden geben im Jemen", sagt er. "Endlich haben wir die direkte Konfrontation mit den USA - darauf hatten wir so lange gehofft", sagt Huthi-Propagandachef und Informationsminister Dhaifallah Al-Shami. Er droht Deutschland, sich aus dem Konflikt im Roten Meer herauszuhalten: "Gott erlaubt uns, diejenigen, die sich den USA anschließen, anzugreifen." Auf dem von Huthis gekaperten Frachter "Galaxy Leader" im Roten Meer haben die Huthis die Bilder ihres Revolutionsführers aufgehängt. "Kein Araber hat so den Amerikanern und Israelis die Stirn geboten wie wir", sagen die Huthis auf dem Schiff. "Wir kennen unser Meer, unsere Berge, unser Land - wir haben einen langen Atem und können über Jahrzehnte den Feind angreifen." Die Huthi-Indoktrinierung beginnt früh, über Jahre hat die Miliz die Kinder der Ärmsten mitgenommen und rekrutiert. "Über das Schulradio und den Kinderkanal mobilisieren die Huthis Kinder. Oder locken sie in Korankurse und von dort zum Waffentraining", berichtet der Menschenrechtsaktivist Abdu Al-Hutheifi. Die Huthis stellen sich stets als die rechtschaffenen Krieger vor, die doch nur für die Kinder von Gaza kämpfen. Doch kaum jemand weiß, welche Verbrechen sie gegen ihre eigene Zivilbevölkerung verüben. Bis heute belagern sie die Frontstadt Taiz, entgegen aller Friedensabsprachen mit Saudi-Arabien. Das Leid in der Stadt ist groß. Der elfjährige Abdallah hat ein Bein verloren, als die Huthis angriffen. Im Krankenhaus, wo er Physiotherapie bekommt, zeigt er, wie er mit seiner Prothese laufen kann. "Welche Schuld haben wir Kinder? Wir wollen zur Schule, wir sind doch keine Kämpfer!", klagt die 13-jährige Sheima an, die seit einem Raketenangriff ebenfalls mit einer Prothese laufen muss. Immer noch schießen Huthi-Sniper auf Kinder entlang der Frontlinie und werden die Tausenden von Minen, die die Huthis hinterlassen haben, zur tödlichen Falle für Zivilisten. Der Deutsche Wilko Dirks räumt in Taiz Minen. Er sagt: "Was mich motiviert in meinem Job ist zu erleben, wie in den geräumten Gebieten das Leben wieder zurückkehrt, Kinder zur Schule gehen und Felder bepflanzt werden können." Die Folgen des "vergessenen Krieges" im Jemen sind im ganzen Land verheerend. ZDF-Korrespondentin Golineh Atai berichtet von beiden Seiten in diesem lang anhaltenden Bürgerkrieg. Der Film "auslandsjournal - die doku: Zerrissener Jemen - Im Griff der Huthi-Milizen" ist ein rarer Blick hinter die Fassade eines abgeschotteten Regimes.